von RAin, FAin MedizinR Sabine Warnebier, Voß.Partner, Münster, voss-medizinrecht.de
Bereits seit vielen Jahren müssen die Ärztinnen und Ärzte die von ihnen ermittelten Diagnosen codieren. Mittels der ICD-Schlüssel (ICD-10-GM) werden so verschiedenste Krankheitsbilder erfasst und gekennzeichnet. Der hiermit verbundene Arbeitsaufwand in den Arztpraxen ist enorm, wird jedoch durch die Vorteile einer korrekten Codierung gerechtfertigt.
Vom ICD-Code zur morbiditätsbedingten Gesamtvergütung
Merke
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wurde mittels des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) beauftragt, für die Abrechnung und Vergütung der vertragsärztlichen Leistungen verbindliche Regelungen zur Vergabe und Übermittlung der ICD-Codes sowie entsprechende Prüfmaßstäbe zu erstellen. Sie hat daraufhin in Absprache mit den KVen eine digitale Kodierunterstützung entwickelt, welche den Praxen helfen soll, noch exakter zu codieren. Diese wird als Praxissoftware bereitgestellt und in das Praxisverwaltungssystem implementiert. So wird das Codieren z. B. durch eine Codesuche, eine Verschlüsselungsanleitung und einen Codiercheck erleichtert (weitere Informationen hierzu bei der KBV online unter iww.de/s5830).
Verteilung des Honorarkuchens unter den Facharztgruppen
Die Codierung bzw. die hierüber ermittelte Morbidität leistet aber nicht nur im Rahmen der Verhandlungen über die Gesamtvergütung Hilfestellung, sondern ebenso bei der nachfolgenden Verteilung der Honorare zwischen den Fachgruppen. Aus der Morbidität wird der Behandlungsbedarf eines Patientenklientels abgeleitet und mit Punktwerten abgebildet.
Insofern gilt: Je genauer und umfangreicher eine Facharztgruppe codiert und damit den Behandlungsbedarf des eigenen Patientenklientels nachweist, desto höher sind ihre Chancen, ein größeres Stück vom Honorarkuchen abzubekommen.
Über eine zutreffende Codierung können Hausärzte daher zumindest mittelbar Einfluss auf die Vergütungsmöglichkeiten im vertragsärztlichen System und auch auf die Verteilung zwischen den einzelnen Facharztgruppen nehmen.
Unnötige Prüfungen vermeiden
Beispiel: Prüfungen zu Arzneimittelverordnungen
Wesentlich einfacher ist es, die Prüfgremien durch eine korrekte und vollständige Codierung in die Lage zu versetzen, Verordnungen richtig zuzuordnen oder auch eine erhöhte Morbidität des eigenen Praxisklientels zu erkennen und entsprechend zu berücksichtigen.
